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Interviews
Interview mit Frau Sandra H.
Interview mit Herr Remo M.
Frau Sandra H., im Atelier von Herrn A. Bern (vom 27. Nov. 2001)
Guten Tag Frau H. Es würde würde mich als Erstes interessieren, aus welchem Grund Sie den
Beruf Graveurin gewählt haben.
Guten Tag. Nun, dieser Beruf war mir zunächst nicht bekannt. Per Zufall habe ich durch
eine Kollegin meiner Mutter etwas darüber gehört. Sie empfahl ihn mir sehr, da ich
unter anderem sehr kreativ bin. Ja und dann habe ich einen Schnupperkurs gemacht.
Beschreiben Sie mir bitte kurz Ihren beruflichen Lebenslauf.
Nach einem zehnten Schuljahr machte ich im Atelier von Herrn Aebi die Lehre zur
Graveurin und arbeite seither hier.
Was passiert alles, wenn ein Kunde eine Arbeit in Ihrem Atelier machen lassen möchte?
Meist hat der Kunde eine genaue Vorstellung des Schmuckstücks oder bringt sogar eine
Vorlage vorbei. Die Wünsche werden genau besprochen und der Preis in etwa festgelegt.
Anschliessend mache ich eine Zeichnung oder eine Skizze, vielleicht sogar ein Modell aus
Wachs. Dies wird dem Kunden gezeigt. Eventuell werden Änderungen gemacht. Nun bearbeite
ich das Metallstück so, dass ich die Gravur vornehmen kann. Nachdem ich die Oberfläche
mit einer dünnen Schicht überzogen habe, kann ich die Zeichnung mit Bleistift übertragen.
Jetzt gehe ich ans Gravieren. Mit Sprit entferne ich die Schicht und schleife oder poliere
die Oberfläche. Das Schmuckstück ist nun bereit für den Kunden.
Wie sieht die momentane Auftragslage aus. Gibt es Auswirkungen hinsichtlich der
Terroranschläge vom 11. September 01?
Die Auftragsanzahl schwankt sowieso sehr, auch unabhängig von den Anschlägen.
Gravierte Teile sind nach wie vor Luxusartikel. Im Sommer haben wir oft Trauringe zu
gravieren und zur Weihnachtszeit steigt die Anzahl der Wünsche etwas an.
Welche Arbeitsverfahren werden in Ihrem Atelier angewendet?
Neben dem Verzieren oder Beschriften von Schmuckstücken stellen wir auch
Kupferstiche zum Drucken her. Dies ist aber sehr aufwändig und dadurch teuer.
Uhren bearbeiten wir noch oft, sei es für eine Privatperson oder für ein Geschäft.
Selten produzieren wir auch etwas ohne einen konkreten Kundenwunsch. Dies gehört aber
zu den gewagteren Projekten, da es eine Geldinvestition ist, welche sich unter Umständen
länger nicht auszahlt.
Gibt es Wettbewerbe und/oder Preise, die veranstaltet respektive verliehen werden?
Nein, mir sind keine bekannt.
Wie steht es mit Ausstellungen?
Selten, eigentlich nur im Zusammenhang mit Schmuckausstellungen.
Herzlichen Dank für die Mitarbeit am Interview.
Herr Remo M., Gravur-Firma in Bern (vom 5. Dez. 2001)
Guten Tag Herr M. Es würde mich als Erstes interessieren, aus welchem Grund
Sie den Beruf Graveur gewählt haben.
Guten Tag. Ich bin durch Zufall darauf gestossen. In der Schule sahen wir uns einmal
einen Film an, indem ein Stahlstecher vorgestellt wurde. Mich interessierte der Beruf
Goldschmied eigentlich am meisten. Mein Vater meldete mich in einem Betrieb für eine
Schnupperlehre als Graveur an. Und dort machte ich dann auch die Lehre.
Beschreiben Sie mir bitte kurz Ihren beruflichen Lebenslauf.
Ich machte die 4-jährige Lehre als Graveur der gemischten Branche und nebenbei
verschiedene Kurse. Danach arbeitete ich auf dem Beruf, bis ich mich schliesslich auf
Reliefs spezialisierte.
Was passiert alles, wenn ein Kunde eine Arbeit in bei Ihnen machen lassen möchte?
In erster Linie stellen wir hier Vorlagen (Patrizen, Clichés) her um etwas zu verformen,
zum Beispiel um auf einer Pralinenschachtel die abgebildeten Pralinen hervorzuheben.
Wir erhalten eine Vorlage, zum Beispiel eine Zeichnung, einen Film (Bilder (Anm. von mir))
oder Daten. Bei der Ausführung kann ich Ideen von mir einbringen. Das Material, die
Dicke und die Qualität des Papiers, welches verformt und/oder bedruckt wird, hat
Einfluss auf das Relief. Anschliessend wird ein Schwarzweissfoto (Film) gemacht, welches
auf das Metall kopiert wird. Das Metall wird maschinell graviert, vom Pantograph oder per
CNC. Nun braucht es wenig bis sehr viel Nacharbeit von mir mit dem Gravierstichel.
Die Oberfläche wird verschliffen mit einem Schaber, Schleifpapier oder einer Glasbürste.
Eventuell erhält das Werkstück Facetten. Je nach Wunsch wird eine Gegenpatrize aus
Kunststoff hergestellt. Anschliessend kann das fertige Stück abgegeben werden.
Wie sieht die momentane Auftragslage aus. Gibt es Auswirkungen hinsichtlich der
Terroranschläge vom 11. September 01?
Unsere Firma erlebt im Moment gute Zeiten. Die Rezession hatte kaum Auswirkungen.
Als ich in der Lehre war, gab es im Raum Bern 3 – 4 Firmen, welche diese Arbeiten anboten.
Heute sind wir hier die Einzigen. Der Beruf des Chemigraphen (chemisches Bearbeiten der
Metallplatten) ist ausgestorben; wir bieten die Technik noch an, aber es werden schon
lange keine Lehrlinge mehr ausgebildet.
Hinsichtlich der Terroranschläge gab es bis jetzt keine spürbaren Auswirkungen.
Welche Arbeitsverfahren neben dem chemischen werden in Ihrer Firma angewendet?
Ist die Vorlage eine Zeichnung, stellen wir in der Lito-Abteilung ein Foto her,
welches dann auf das Material kopiert wird.
Neben dem Fräsen mit dem Pantographen oder per CNC haben wir einen ruhigen Raum,
in welchem Handgravierarbeiten gemacht werden und eine Mechanikabteilung mit
Drehbank und üblicher Fräsmaschine.
Neben der aufwändigen Arbeit in der Ätzerei, wo der Grundstoff meistens Messing ist,
besitzen wir eine Ätzmaschine, welche durch Umwälzen der Chemikalien das Material, oft
Magnesium, bearbeitet.
Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit.
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