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Geschichte

Erste Spuren

Die ersten Spuren einer menschlichen Hantierung, die als Vorstufe des Gravierens anzusehen ist, führen bis in die Urzeit der Menschheit zurück. Es ist eine interessante kulturgeschichtliche Feststellung, dass gerade die primitivsten Völker schon eine überraschende künstlerische Befähigung zeigten. Diese äusserte sich darin, dass sie die Gegenstände ihrer Umwelt und ihrer Behausung, Geräte, Gefässe, Werkzeuge und Waffen durch Einritzen und Eingraben von Zeichen und Figuren kennzeichneten und verzierten. Die ältesten Zeugnisse dieser Art ordnet die archäologische Forschung in die sogenannte Diluvialzeit ein. An den Wänden der Höhlenwohnungen, der in vorgeschichtlicher Zeit lebenden Menschen, aber auch an Felswänden, finden wir Zeichen und Darstellungen der verschiedensten Art eingeritzt, die nur mit Splittern und messerartigen Instrumenten aus Feuersteinen ausgeführt werden konnten. Metall und seine Bearbeitung kannte man damals noch nicht. Auch primitive Tongeräte waren in dieser Weise mit Ritzzeichnungen versehen, die vermutlich mit Fischgeräten ausgeführt worden sind. Besonders wertvoll sind die Funde, die in den Höhlen der Dordogne in Südfrankreich gemacht worden sind. Es sind prächtige Gravierungen auf Tierknochen, in der Hauptsache Fische, Steinböcke, Wildpferde, weidende Renntiere, Menschen mit Pferden usw., die eine erstaunliche Beobachtungsgabe bekunden.

Wann die ursprünglichen Darstellungen der Urzeitmenschen entstanden sind, ist schwer zu sagen. Will man einigermassen Klarheit erlangen, muss man wohl die Hauptgebiete, die Ziergravur, die Schrift-, Stempel- und Siegelgravierung für sich betrachten. Dabei ergeben sich naturgemäss viele Überschneidungen. Besonders die Siegelgravierung, die von den Sumeren und Babyloniern zu hoher Vollendung entwickelt wurde, gilt als älteste angewandte Kunst.

Aus der Siegelform entwickelte sich fast zwangsläufig die Prägform der Münze und Medaille. So entstanden auch alle zur Vervielfältigung reliefartiger Darstellungen dienenden Prägeeinrichtungen.

Die verschiedenen Zweige der Gravierkunst und -technik sind nicht getrennt voneinander, sondern mit- und nebeneinander entstanden. Sie waren alle materialgebunden und folglich lange Zeit in ihrer Weiterentwicklung gehemmt. Ausgangspunkt war aber immer die Ziergravierung.

Quelle: Grossteil aus: Handbuch der Gravierkunst, Streubel


Eine entscheidende Wende, die Metallzeit

Eine entscheidende Wendung trat mit dem Beginn der Metallzeit ein, jener kulturgeschichtlichen Periode, die auf die Steinzeit folgte.

In der alten Welt geht die Kenntnis der Metalle mindestens bis in das 4. Jahrtausend vor der Zeitrechnung zurück.

Die Versuche, Kupfer durch Zusatz anderer Metalle zu verbessern, vor allem zu härten, führten zu Legierungen von Kupfer und Zinn, der Bronze. Bronze in der damaligen Zusammensetzung war zugleich auch ein ideales Material für die Gravierung und Ziselierung (das Verformen des Metalles mit Hammer und Punzen).

Zur höchsten Vervollkommnung gelangte die Metallgravierung erst in der Eisenzeit, also im 2. Jahrtausend vor der Zeitrechnung.

Erstaunlich ist der weitere Entwicklungsverlauf der Gravierkunst. Es ist überraschend zu welcher Meisterschaft es die alten Babylonier, die Assyrer und Ägypter, wie auch die Urvölker Amerikas darin gebracht haben. Wir wissen auch, welche Blütezeit die Gravier- und Ziselierkunst in Metall, wie vor allem auch die Siegelgravierung, im alten Hellas und Rom erlebt hat.

Auch bei den östlichen Völkern können bemerkenswerte Leistungen in der Gravierkunst nachgewiesen werden. Sie offenbaren hohe Kunstfertigkeit und technisches Können, wie z. B. die prächtigen Bronzearbeiten altjapanischer und altchinesischer Metallkünstler.

Zur Vollständigkeit sei noch der Skythen und Türvölker gedacht, die die weiten Gebiete Nord- und Westasiens, die Gebirge des Urals und Altais bewohnten.

Quelle: Grossteil aus: Handbuch der Gravierkunst, Streubel


Die heutigen Spezialisierungen des Gravierens

In dieser jahrtausendwährenden Entwicklungszeit haben sich spezielle Stichtechniken herauskristallisiert, z.B.: Kupferstich, Stahlstich, Reliefstich und Flachstich. Ende des 18. Jahrhundert entstand neben dem Handgraveur der Maschinengraveur. Die Gravierkunst der heutigen Zeit wurde zu einer Spezialisierung, wobei eben zwischen Hand- und Maschinengraveur und einzelnen Spezialgebieten unterschieden wird, z.B.: Stahl-, Formenbau-, Walzen-, Blinddruck-, Schwarzdruck-, Schrifttypen-, Golddruck-, Schmuck-, Siegelstempel-, Etiketten-, Glas- und Steingraveur. Auch das "Trassieren" und "Ziselieren" gehörte einmal zur Technik des Graveurs. Hierbei wird nicht mit einem Stichel, sondern mit Stahlmeißel und Hammer gearbeitet. Später ging diese Technik zum Gürtler über, wobei Graveure, Gürtler, Ziseleure und Silberschmiede immer eng zusammengearbeitet haben.

Zwischen 1920 und 1930 kam der Pantograph auf den Markt (siehe Technik). Rund 20 Jahre später wurde die erste CNC-Maschine (siehe Technik) erfunden und gut 12 Jahre darauf gab es eine fürs gravieren brauchbare Maschine. Das Vorhandene, auch die Software, wurde laufend verbessert.

Während die Handgravur auf ihrem technischen Level bleiben wird, ist auf der maschinel-len Seite, gerade im Zusammenhang mit CNC, ein Fortschritt zu erwarten.

Quelle: Interviews, Unterlagen des „Schweizerischer Verband der Graveure“